Showtreppen, rote Teppiche und der gebrochene Fuss

Auszüge aus "Ich bin kein Star, holt mich hier raus!"

Grosse Showtreppen haben immer schon eine Fazination auf mich ausgeübt. Achte auf deine Wünsche, denn sie könnten wahr werden……Ich bekam meine Showtreppen, die ganz Grossen, und ich denke, das ich sie jetzt nicht mehr herbeiwünsche, denn die Erfahrung belehrte mich, das es höchst waghalsig ist, solche Stufen tanzend und singend herunterzusteigen.

Schon als Kind hatte ich mir Treppen ausgesucht, die ich herunter schreiten konnte. Das machte Spass und hatte etwas Anmutiges und Würdevolles. Und da kommt mir natürlich gleich Cinderella und die Treppe in den Sinn, die sie beim Schlag 12 herunterlief und dabei ihren Schuh verlor.

Einen Schuh habe ich noch nicht verloren, mir jedoch eine üble Stressfraktur im Fuss zugezogen und das auf Grunde schlechten Schuhwerks. Ich machte eine Show in Amsterdam und musste das Schuhwerk der Vorgängerin tragen, da das Budget für neue Schuhe anscheinend nicht ausreichte. Bullshit! Die Schuhe waren eine Nummer zu klein und ich quälte mich allabendlich in diesen mörderischen Teilen zu performen. Tja, und dann schwoll der linke Fuss an und die Diagnose war, Sesambeinbruch.

Die Ärzte prophezeiten mir, das ich nie wieder Tanzen werden könne und das im Alter von 27. Der Schmerz war gross und die Kortisonspritzen höchst unangenehm, da die Fraktur im linken Fussballen war, genau da, wo nur Knochen und kein Fleisch ist. Es war undenkbar Schuhe mit Absatz zu tragen und wenn, dann nur unter grossen Schmerzen. Und da es im Tanz oft im Releve genau um diese Körperstelle geht,konnte ich das Training für’s Erste vergessen. Ein halbes Jahr schleppte ich mich auf Krücken herum. Ich blieb jedoch zuversichtlich und ich hatte ja Gott sei Dank noch meine Stimme und meine Musik. Und….was die Ärzte sagten, interssierte mich sowieso nicht!

Man kann diese Ermüdungsbrüche nicht wirklich operieren ohne das dieses sensible Gelenk versteift. Als Sängerin konnte ich natürlich auch nicht in Sandalen arbeiten und so waren viele Jahre ein wahrer Eiertanz.

Erst mit 35 Jahren wagte ich mich erneut in ein Tanzstudio und das zu meinem Geburtstag. Ich lebte in NYC bei Freunden und wollte genau an diesem meinem Tag herausfinden, ob ich noch tanzen konnte. Ich ging zu einer Jazz Klasse ins Broadway Dance Studio. Es machte mir so viel Spass, ich spürte den Fuss, aber konnte mit dem Schmerz leben. Es funktionierte und der Lehrer, der natürlich nichts davon wusste, holte mich nach vorne um den Anderen zu demonstrieren, wie die Tanzchoreographie auszusehen hatte.

Ich sah es als Zeichen und begann wieder zu trainieren.

Ein Jahr später bekam ich eine erneute Anfrage für CATS. Man sah mich als Grizabella, die „Alte“ die Memory singt, ein Lied was ich übrigens nicht ausstehen kann .Da ich unbedingt einen Job brauchte und dieses Stück sehr liebe, machte ich mich auf zur Audition. Ich sang und die Choreographin blinzelte mich an und fragte „What do you really want?“ Mir war klar, das es wenn ich nochmals Cats machen sollte, dann die ganze Chose, sprich den 3 Stunden Marathon.Da kam für mich nur eine Rolle in Frage, nämlich die der „Bombalurina“. Ich artikulierte dieses. Daraufhin „Dann musst Du aber vortanzen“ Oh je…..hatte ich den Mut mich nach fast 17 Jahren nocheinmal in diese Tanzarena zu begeben und das mit dem kaputten Fuss. Ich tat es…..und….bekam die Rolle!

Es war eine grandiose Zeit. Endlich war ich wieder Teil eines Teams und nicht der Einzelsolist. Ich hatte sicherlich einen wunderbaren Solopart, aber eher eine Nebenrolle, die meinem Ego keinen Abbruch tat. Im Gegenteil, es war überaus gesund für mich. Diejenigen die mich immer als Star sahen, konnten es nicht fassen, das ich mich auf dieses Engagement einliess. Na ja, der Zug war in dem Alter ja sowie schon lange abgefahren. Ach nein, ein Plattenproduzent sagte mir bereits im Alter von 26, das es nun allerhöchste Zeit sein würde, denn ich wäre ja nicht mehr ganz so jung.

Um auf die Showtreppen zurückzukommen. Die symbolisierten etwas durchaus Anmutiges und Freudiges für mich. Der Mädchentraum

Der rote Teppich hingegen war etwas, was ich möglichst vermeiden wollte. Es war noch nie mein Ding zu irgendwelchen VIP Partys zu gehen, um die ach so wichtigen Kontakte zu knüpfen, noch interessierte mich dieser Teppich. Ist halt nur ein Teppich und ich finde das alles sehr seltsam, wie die Menschen da ausstaffiert rüberlaufen. Meistens mit den gleichen Posen. Ist doch lustig. Oder?….

Vor kurzem erzählte mir ein Freund von einem Rote Teppich Fanatiker. Ein nicht ganz unbekannter Kollege, der nicht nur einmal über diesen Teppich läuft, sondern sich gleich wieder hinten anstellt, um dann nocheinmal drüber zu talpen, bis es dann selbst den Fotografen auffällt und sie ihn bitten nun endlich damit aufzuhören. HM….


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